Inspiration und Autorität eines Propheten

Bild oben: 2.Chronik 20,20
Geist der Weissagung in der Bibel (158 KB)

Gibt es Stufen bzw. Grade der Inspiration?

Wenn Gott sich einem Menschen durch Träume oder Visionen offenbart, dann ist dieser Prophet inspiriert, unabhängig davon, ob seine Schriften im biblischen Kanon aufgenommen wurden. Somit sind außerkanonische Propheten genauso inspiriert wie kanonische Propheten.

1.Thessalonicher 2,13; 4,1.2: Als Paulus seine Briefe schrieb, gab es noch keinen neutestamentlichen Kanon und doch ermahnt er die Gemeinden unter Inspiration im Namen des Herrn.

Kolosser 4,16: Paulus ermutigt die Kolosser, seinen Brief an Laodizea zu lesen. Leider ist dieser Brief verlorengegangen, obwohl er genau so inspiriert war, wie der Brief an die Kolosser. Würde man den Brief heute finden, muss er auf seine Echtheit geprüft werden. Eines der Prüfkriterien wären die paulinischen Schriften im Kanon. Falls diese Prüfung positiv ausfällt, würde man den echten Laodizeabrief nicht dem biblischen Kanon hinzufügen, obwohl er gleich inspiriert ist wie die übrigen Schriften von Paulus, denn der Kanon ist abgeschlossen.

Johannes 3,34: Wen Gott zum Propheten durch Träume und Visionen beruft, der redet die Worte Gottes. Gott wacht über den Prozess der Weitergabe der Botschaft. Der Bote Gottes ist inspiriert.

Somit gibt es keine Abstufungen oder Grade der Inspiration, egal ob kanonisch oder außerkanonisch, egal ob die Botschaft schriftlich, mündlich oder dargestellt weitergegeben wird. Inspiration ist also binär, d.h. ja oder nein, schwarz oder weiß: wenn sich hat Gott dem Prophet offenbart hat, dann ist er auch inspiriert (während der Weitergabe der Botschaft führt ihn Gott durch seinen Heiligen Geist) – oder eben nicht.

Gibt es Stufen bzw. Grade der Autorität?

Mit der Inspiration hängt die Autorität zusammen, denn Gott ist derjenige, der den Propheten, seinen Boten, sendet. Gott, der die höchste Autorität hat, ist der Absender. Ein Prophet empfängt seine Autorität von oben (von Gott, dem Absender) und nicht von unten (dem Empfänger). Der Empfänger kann dem Propheten keine Autorität geben, sondern nur entscheiden, ob er die Autorität anerkennen will.

Die Autorität eines Propheten ist mit der Autoritätskette beim Militär vergleichbar: vom einfachen Soldaten bis zum General gibt es unterschiedliche Autoritätsstufen. Auch ein Prophet steht in einer Autoritätskette: Von Gott gesandt, steht er unter Gott, unter den Engeln und gleichzeitig unter der Autorität der vorhandenen Gottesoffenbarung (Bibel) und wird daran auf seine Echtheit geprüft (vgl. Offenbarung 1,1-3; Jesaja 8,20; Jeremia 26).

Gibt es Stufen bzw. Grade des Gehorsams?

Muss der Soldat dem Unteroffizier weniger gehorchen als dem Leutnant? Muss der Leutnant dem General weniger gehorchen als dem Admiral? Niemals! Deshalb gibt es keine Stufen bzw. Grade des Gehorsams. Wie bereits erwähnt ist es ja nicht der Höhrer bzw. Empfänger der Botschaft, der dem Botschafter Autorität gibt. Ein Prophet hat seine Autorität vom Absender, von Gott, empfangen.

Durch Gehorsam zeigt der Hörer der Botschaft sein Vertrauen gegenüber dem Absender. Weil zwischen damals und heute eine lange Zeitspanne liegt, ist es wichtig, sich mit der Interpretation von inspirierten Schriften zu beschäftigen und eine richtige Hermeneutik anzuwenden!

2.Chronik 36,15.16: Gott sandte immer wieder seine Boten, die Propheten. Durch Ablehnung der Propheten wurde Gott abgelehnt (vgl. 1. Samuel 8,7; Lukas 10,16; Johannes 5,23)

2.König 22; 2.Chronik 34: Beim Leeren der Kasse fand der Hohepriester Hilkija das Gesetzbuch des Herrn (2. Chronik 34,14). Er übergab es Schaphan, dem Schreiber, der das Buch zum König brachte und es ihm vorlas. Daraufhin wollten sie den Herrn befragen (Vers 21) und gingen zur Prophetin Hulda, die zur Zeit des Propheten Jeremia lebte. Gott sprach durch Hulda und gab eine klare Botschaft – die gleiche wie zuvor.

Lukas 1,17; 7,28; 20,6: Johannes war der größte Prophet, denn er durfte dem Messias den Weg bereiten, ihn sehen und sogar taufen. Johannes hatte den „Geist von Elia“. Johannes schrieb kein biblisches Buch und hatte doch Autorität von Gott.

Johannes 6,14; 7,40; 5.Mose 18,15; 1.Petrus 1,10-12: Jesus übertrifft alle Propheten und hat selbst kein Buch in der Bibel geschrieben, wenn auch sein Geist in den Propheten wirkte. Seine Autorität steht unumstritten fest. Nur wer an Jesus glaubt, wird gerettet.

2.Chronik 20,20b: »Vertraut auf den Herrn, euren Gott, so könnt ihr getrost sein, und glaubt seinen Propheten, so werdet ihr Gelingen haben!« Unser Vertrauen Gott gegenüber zeigen wir durch unseren Glauben gegenüber seinen Propheten. Wenn wir den Propheten nicht vertrauen, dann auch nicht dem Herrn. Lehnen wir die Propheten ab, dann lehnen wir auch Gott ab!

1.Thessalonicher 5,19-21; 1.Johannes 4,1: Weissagung wollen wir nicht verachten. Den Geist Gottes wollen wir nicht dämpfen. Wir werden ermutigt, die Geister zu prüfen. Das ist wichtig, denn es gibt auch falsche Propheten!

Kann sich ein echter Prophet des Herrn irren?

Propheten sind Menschen. Menschen sind in Sünde gefallen, können sich irren und machen Fehler. Mit der Offenbarung Gottes und der Berufung wird der Prophet nicht sündlos oder verherrlicht, sondern hat immer noch seine sündige Natur. Demnach können Propheten sich irren und machen auch Fehler, jedoch nicht in allen Bereichen. Hier ein paar Beispiele:

(1)Im persönlichen Leben: Noah betrank sich mit Alkohol (1.Mose 9,18-29). Abraham vertraute nicht immer auf Gott, gab seine Frau zweimal als Schwester aus und heiratete die Magd Hagar mit der er Ismael zeugte (1.Mose 12-25). Mose schlug den Felsen, anstatt mit ihm zu reden (4.Mose 20,11.12). David hatte viele Frauen, beging Ehebruch, log darüber und ließ Uriah ermorden (2.Samuel 11). Aber David erkannte auch seinen Fehler, bereute (Psalm 51) und Gott hat ihm vergeben (1.Könige 14,8).
(2)Bei einem persönlichen Ratschlag: David wollte dem HERRN einen Tempel bauen und der Prophet Nathan stimmte zu. Allerdings war es kein „so spricht der HERR“. Gott selbst hatte andere Pläne und korrigierte seinen Propheten. Nathan überbrachte das Wort Gottes dem König (2.Samuel 7).
(3)Beim Zitieren aus dem Gedächtnis: Matthäus zitiert in 27,9 was Jeremia gesagt hat, doch eigentlich hat es Sacharja geschrieben (Sacharja 11,12.13). Der Inhalt ist korrekt, auch wenn der Text im AT etwas anders lautet.
(4)In der Grammatik und Rechtschreibung: Es gibt zwar keine Originalen Handschriften der Propheten mehr, aber bei der großen Anzahl der Abschriften gibt es Unterschiede. Dies könnte auch auf die Abschreiber selbst zurückgeführt werden. Vergleicht man die verschiedenen Manuskripte, fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht.
(5)Bei Zahlenangaben: Tötete David 700 oder gar 7.000 Wagenkämpfer (2.Samuel 10,18; 1.Chronik 19,18)? Hatte Salomo 40.000 oder nur 4.000 Stallplätze für seine Pferde (1.Könige 5,6; 2.Chronik 9,25)? War Jojachin bei seiner Thronbesteigung noch 8 oder schon 18 Jahre alt (2.Könige 24,8; 2.Chronik 36,9)?
Vergleicht man die Listen der Heimkehrer in Esra 2 mit Nehemia 7, stellt man Unterschiede fest, z.B. Söhne Achans (775/652), Söhne Sattus (945/845), Söhne Asgads (1.222/2.322). Am Ende stimmt jedoch die Summe von 42.360 in beiden Listen.
Heilte Jesus einen oder zwei Besessene (Matthäus 8,28-34; Markus 5,1-20; Lukas 8,26-37) einen oder zwei Blinde (Matthäus 20,29-34; Makus 10,46-52; Lukas 18,35-43)?
(6)Beim Vorhersagen der Zukunft: Nach 5.Mose 18,22 ist die Erfüllung einer Prophezeiung das Erkennungsmerkmal eines Propheten Gottes. Allerdings gibt es auch bedingte Prophetie (Jeremia 18,7-10). Jona weissagte, dass Ninive in 40 Tagen untergehen wird (Jona 3,4). Weil sich die Menschen bekehrten, blieb die Stadt bestehen. Der falsche Prophet Hananja predigte die Befreiung von Jerusalem und Jeremia stimmte ihm zu, aber Gott wusste die Zukunft im Voraus und klärte Jeremia auf (Jeremia 28). Siehe unten die Prinzipien für bedingte Prophetie.
(7)In Fragen der Dogmatik gibt es weder Irrtümer noch Fehler. Gott wacht über sein Wort und sorgt dafür, dass es richtig wiedergegeben wird (Jeremia 1,12). Propheten irren sich nicht wenn es um Lehre und Leben geht. Die Bibel ist der unfehlbare Maßstab!

Prinzipien für bedingte (konditionale) Prophetie

(1) Bedingungen werden in Form von „wenn“ oder „falls“ genannt (vgl. 3.Mose 26; 5.Mose 28-30).
(2) Auf die Weissagung bzw. Botschaft wird eine Reaktion der Menschen erwartet (vgl. Joel 2,12-15; Jona 3,4; Jeremia 18,7-10; Jesaja 55,11; 2.Könige 20; Daniel 4).
(3) Prophezeiungen können später näher erläutern werden, so dass Bedingungen deutlich werden (vgl. die Beute für Nebukadnezar in Hesekiel 26 und 29).
(4) Ein Bund enthält Bedingungen, daher sind diese Prophezeiungen konditional (Jesaja 65,17-25; Hesekiel 38 und 39; 40-48; Sacharja 14).
Das erste Kommen Jesu (vgl. Daniel 9,24-26) sowie seine Wiederkunft sind nicht konditional. Jesus kommt sicher wieder (vgl. 2.Petrus 3,9; Offenbarung 10,6; 22,20)!

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