Die Planetenvision

Aus: Herbert Douglass, They Were There, Nampa, Idaho: Pacific Press Publishing Association (PPPA), 2005, Kapitel 4, S.29-32;
Douglass gibt noch folgende Quellen an: Messenger of the Lord (1998), 144.145; John Loughborough, Rise and Progress of Seventh-day Adventists (Battle Creek, Michigan, 1892), S.126; Arthur White, The Early Years, S.113f.

Joseph Bates (1792-1872) war ein bekehrter Seekapitän, der zur Verbreitung der Miller-Botschaft [dass Jesus um das Jahr 1843/1844 wiederkommt] sein ganzes Vermögen ausgegeben hatte. Er wurde einer der ersten adventistischen Sabbathalter (Anfang 1845) und der erste, der ein Traktat über den Siebenten-Tags-Sabbat druckte: The Seventh-Day Sabbat, a Perpetual Sign (1846). Dieses Traktat überzeugte James und Ellen White kurz nach ihrer Hochzeit, dass der christliche Sabbat nicht am Sonntag, sondern am Samstag, am siebenten Tag der Woche ist.

Allerdings war dieser Seekapitän anfangs nicht davon überzeugt, dass Ellen Whites Visionen „von Gott kamen“. Visionen wurden zu dieser Zeit mit spiritistischen Sitzungen oder Mesmerismus in Verbindung gebracht. Bates dachte, dass die Visionen das Resultat von Ellens schlechter Gesundheit seien, „nichts mehr als die Auswirkung des andauernd geschwächten Zustands ihres Körpers.“ Doch nachdem er sie bei einigen ihrer Visionen beobachten konnte, änderte er seine Meinung.

„Eine Vision beeindruckte ihn besonders. Im November 1846 kam im Heim der Familie Stockbridge Howland in Topsham, Maine, eine kleine Gruppe von Sabbathaltern zusammen. Unter ihnen waren sowohl Joseph Bates als auch James und Ellen White. Ellen White hatte eine Vision und ‚sah zum ersten Mal andere Planeten‘. Danach beschrieb sie, was sie in der Vision gesehen hatte.“ J. N. Loughborough gab in gedruckter Form eine Beschreibung dieses Treffens wieder, gemäß dem Bericht von Joseph Bates:

Während der Vision erzählte Mrs. White über Sterne, gab eine begeisterte Beschreibung der rosafarbenen Gürtel, die sie auf der Oberfläche eines Planeten sah, und fügte hinzu, „Ich sehe vier Monde“.
„Oh“, sagte Bruder Bates, „sie sieht den Jupiter!“
Dann machte sie Bewegungen, als ob sie durch den Weltraum reist, und berichtete von Gürteln und Ringen in ihrer ständig variierenden Schönheit, und sagte, „Ich sehe sieben Monde“.
Bruder Bates rief: „Sie beschreibt den Saturn“.
Es folgte die Schilderung von Uranus mit seinen sechs Monden; dann beschrieb sie mit beredten Worten die „Himmelsöffnung“ [gemeint ist der Orion-Nebel] mit ihrer Herrlichkeit und nannte es einen Eingang in eine andere, heller erleuchtete Region. Bruder Bates sagte, dass ihre Beschreibung der „Himmelsöffnung“ jede andere, die er jemals gelesen hatte, weit übertraf.
Während sie noch in der Vision war und redete, stand er auf und rief, „Oh, wie sehr wünschte ich, dass Lord John Rosse heute Abend anwesend wäre!“ Bruder White fragte darauf, „Wer ist Lord John Rosse?“
„Oh“, sagte Bruder Bates, „er ist der große englische Astronom. Ich wünschte, er wäre hier und könnte hören, was diese Frau über die Planeten und die ‚Himmelsöffnung‘ sagt. Es ist besser als alles, was ich je darüber gelesen habe.“

Ellen White berichtete später über ihre Erfahrung … im Heim von Familie Curtis:

Nachdem ich aus der Vision erwacht war, erzählte ich, was ich gesehen hatte. Bruder Bates fragte dann, ob ich Astronomie studiert hätte. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht erinnern kann, jemals auch nur in ein Buch über Astronomie geschaut zu haben.
Da sagte er, „Das ist vom Herrn.“
Ich sah ihn niemals zuvor so befreit und glücklich. Sein Angesicht war von einem himmlischen Licht erleuchtet, und er ermahnte die Gemeinde mit Vollmacht.

Einige Monate später schrieb James White seine Erinnerung an die „Astronomie-Stunde“ nieder:

Auf unserer Konferenz in Topsham, Maine, letzten November, hatte Ellen eine Vision über Gottes Schöpfung. Sie wurde zu den Planeten Jupiter, Saturn und, ich denke, noch einem anderen gebracht. Nachdem sie aus der Vision erwachte, gab sie eine anschauliche Beschreibung von deren Monden, etc. Es ist allgemein bekannt, dass sie nichts über Astronomie wusste, und nicht eine Frage in Bezug auf die Planeten beantworten konnte, bevor sie die Vision hatte.

In der Rückschau auf diese Vision, wie sie von John Loughborough und James White berichtet wurde, können wir wenigstens sieben Dinge feststellen:

  1. Ellen White schrieb diese „Astronomie Vision“ niemals nieder.
  2. Sie identifizierte die geschauten Planeten niemals mit Namen.
  3. Sie erwähnte niemals die Anzahl der Monde, die irgendein Planet haben könnte.
  4. Bates nannte die Namen der Planeten gemäß dem, was Ellen White seiner Meinung nach beschrieb.
  5. Loughborough und James White berichteten, was Bates aus ihren kurzen Kommentaren verstanden zu haben meinte.
  6. Heutige Teleskope offenbaren viel mehr über die Planeten, die Anzahl ihrer Monde, und andere himmlische Phänomene, als Bates jemals hätte träumen können.
  7. Was Bates jedoch am meisten verblüffte, war nicht die Beschreibung der „Planeten“, sondern die der „Himmelsöffnung“, eine Bezugnahme auf den sogenannten „Orion-Nebel“, welche für Bates jedwede Beschreibung zeitgenössischer Astronomen „weit übertraf.“

Was war nun die Bedeutung dieser Vision? Diese „Astronomie-Vision“ war keine Lektion über Astronomie, die später durch das Hubble-Teleskope bestätigt werden würde.

„Wenn Ellen White jedoch eine Vorschau dessen gegeben hätte, was das Hubble-Teleskope in der 1990er Jahren offenbaren würde, wäre Joseph Bates sicherlich davon überzeugt worden, dass Ellen White ein Betrüger sei, ein fehlgeleiteter Eiferer. Seine Zweifel wären bestätigt worden. Wahrscheinlich hätte er sich zukünftig nicht mehr mit den Siebenten-Tags-Adventisten identifiziert.“

Mit anderen Worten, diese interessante „Astronomie-Vision“ entsprach Bates Wissen von dem, was die Teleskope 1846 zeigten. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde diese Vision gegeben als er anwesend war, um ihm Vertrauen in den Dienst Ellen Whites zu geben.

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